Statement von Thomas Pohl

Sehr geehrte Damen und Herren der Landeskulturdirektion,

als freischaffender Schauspieler und unabhängiger Wertevermittler sehe ich mich gezwungen,
vehement gegen Ihr Gebaren in der Kulturförderung zu protestieren und fordere Sie hiermit auf,die Vergabe neu zu überdenken.

Eine Regierung, die die Künstlerinnen und Künstler in ihrem Land ans politische Gängelband legen will,muss scheitern. Eine Regierung, die in Zeiten des wirtschaftlichen Wandels der Kultur die Förderungenentzieht, spart an der falschen Stelle und wird womöglich erst darauf kommen, einen Fehler begangen zuhaben, wenn es längst zu spät ist. Eine Regierung, die mit hanbüchenen Argumenten das Schaffen unabhängigerKünstlerinnen und Künstlern ablehnt, gerät -entgegen aller politischen Erklärungen- in den Geruch, ein Diktat zu geben.

Das Kulturland Oberösterreich muss in seinen Fortbestand investieren, will es nicht der Verrohung und demvölligen Verfall Vorschub leisten. Ich komme nicht umhin, es so drastisch auszudrücken, da der Schwerpunktmeiner Tätigkeit derzeit auf der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen an den unterschiedlichen Schulen und Einrichtungen in Linz und ganz Oberösterreich liegt. (Wo erfreulicherweise mehr und mehr Projekte mit künstlerischer
Unterstützung stattfinden und bei ihrer Präsentation entsprechende Beachtung erhalten) So finde ich es eine grauenhafte Vorstellung, diese Kinder und Jugendlichen bekommen eines Tages noch weniger an Werten und sozialer Kompetenz vermittelt, als es heute stellenweise bereits der Fall ist. Was das für das Leben im Land Oberösterreich bedeutet, das mag ich mir nicht ausmalen. In einer Zeit, wo die Individualisierung soweit fortgeschritten ist, dass die Geisteshaltung "Nach mir die Sintflut" in vielen Momenten und an den unterschiedlichen Stellen des Landes unübersehbar ist, in dieser Zeit darf es nicht sein, dass die Fördervergabe eines Kulturlandes in eine Schieflage gerät, die schwere Zweifel an der Unparteilichkeit einer Landesstelle auslöst.

Im Sinne des Erhaltes und der Tradition von Werten, die ein Leben im Kulturland Oberösterreich überhaupt ermöglichen, sowie als Vertreter der unabhängigen Kulturschaffenden in Oberösterreich ersuche ich Sie hiermit höflich, die Vergabe zu überdenken und sich in den Dialog mit uns zu begeben, da ich sonst befürchten muss, alle zuletzt gehörten Versprechen des Landeshauptmanns zu verschiedenen Anlässen in Sachen Kultur und Soziales seien bloße Lippenbekenntnisse gewesen. Und das wäre nicht nur schade, das wäre eine Schande für unser Kulturland Oberösterreich.

Hochachtungsvoll,
Thomas Pohl
Schauspieler, Theaterbetreuer bei der pro mente OÖ, Vorsitz im Stadtkulturbeirat.

Kommentar hinzufügen

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
  • Images can be added to this post.
  • Verlinkte Bilder mit dem 'rel="lightbox"' in <a> Tags wird die Lighbox aufrufen, wenn darauf geklickt wurde.
  • You may use <swf file="song.mp3"> to display Flash files inline

Weitere Informationen über Formatierungsoptionen

CAPTCHA
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
3 + 17 =
Das einfache mathematische Problem ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben. Z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegebene werden.