Danke!

Andi Wahl_23-09-09

Auch wenn der Herr Kollege sich in diesem Blog bereits in schwindelnde Höhen der Metaebenen hochgeschrieben hat, und es sich wohlig eingerichtet, auf dem Olymp der ernüchterten Abgeklärtheit, so möchte ich doch noch einmal Ihren Blick in die profanen Niederungen des oberösterreichischen Landtagswahlkampfes lenken.

Flaniert man ein wenig durch die Plakatlandschaft dieses Wahlkampfes, so kann man am Wegesrand so manches Blümlein entdecken, das es wert ist, dass man sich zu ihm hinunter beugt, um es näher zu betrachten.

Ein wirklich schönes Fundstück ist etwa das vor Präpotenz nur so triefende Schrift-Plakat der ÖVP „Soll dieser Haider Landeshauptmann werden?“. Die trauen sich was, die von der ÖVP! Ist doch auf dem Plakat noch genug Platz um eine Antwort auf diese Frage zu geben. Und mich juckte es auch schon in der Fingern ein pampiges „A scho wuascht“ auf das Plakat zu schmieren. Bemerkenswert ist auch, dass die ÖVP für dieses Plakat ihre schwarz-gelbe Alarm-Alarm-Farblinie verlassen hat. Um das zu wagen, muss man sich seiner Sache schon verdammt sicher sein.

Aussichtslos aber keineswegs mutlos stemmt sich dagegen ein Plakat des BZÖs gegen das vorgezeichnet erscheinende Schicksal der Bedeutungslosigkeit. Da man im Hier und Jetzt scheinbar keinen Fuß auf den Boden bekommt, lässt man die Bodenhaftung gleich sausen und ergibt sich ganz der Transzendenz. Auf einem, mit dem Konterfei von Ursula Haubner geschmückten, Plakat steht zu lesen: „Weil sie weiß, was er wollte ... wissen wir, was wir an ihr haben.“ Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Wirklich schön auch die Punkte (im Original sind es sogar sechs Punkte) die wahrscheinlich für all das stehen, was ER wollte. Egal, was in diesem Wahlkampf noch kommen sollte. Ich wähle dieses Plakat zu meinem absoluten Liebling. Es erinnert mich frappant an die mittelalterliche Tradition, in einer schon verloren scheinenden Schlacht noch zu einem letzten Mittel, der heiligen Lanze, zu greifen. In die Klinge dieser Lanze (von denen es natürlich unzählige gab) war ein Nagel eingepasst, mit dem Jesus angeblich ans Kreuz genagelt worden war. Diese Wunderwaffe, so hieß es, vormochte schon so manche Schlacht zu wenden.
Aber auch aus der muslimischen Tradition ist ein solcher Rückgriff auf das Allerheiligste überliefert. Bei einer Schlacht im Zuge des sogenannten „Ersten Bürgerkrieges“ (661), in dem sich rivalisierende Gruppen blutig bekämpften, griff die zuerst unterlegene Armee ebenfalls zum letzen Mittel. Sie spießte Seiten aus dem Koran auf ihre Lanzen und ritt damit ihren letzten, siegreichen Angriff. Die Feinde verzichteten, angesichts der allerhöchsten Autorität (nach muslimischer Überzeugung ist der Koran der wortgewordene Gott), auf jede Gegenwehr. Ob ER - der Unaussprechliche, oder zumindest der, der nicht ausgesprochen werden muss - ob ER eine ähnliche Wirkung zu entfalten mag, ist wohl mehr als fraglich.
Aber gerade diese weltabgewandte Zuversicht in einer ausweglosen Situation lässt dieses Plakat richtiggehend von innen strahlen. Ich hatte immer schon eine heimliche Schwäche für Menschen, die fröhlich und mit fliegenden Fahnen in den Abgrund reiten.

So will auch ich diesen Blog beschließen und mir bleibt nur noch eines zu sagen: Danke BZÖ, du hast mich mehr als reich beschenkt.

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